Bandscheibenvorfall – Wenn der Rücken nicht mehr will: Ursachen, Symptome und Therapie

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  • Bei einem Bandscheibenvorfall sind die Bandscheiben als Stoßdämpfer der Wirbelsäule irreversibel geschädigt und drücken auf das umliegende Gewebe sowie auf die Nervenbahnen im Rückenmark.
  • Ursache für einen Bandscheibenvorfall ist jahrelanger Verschleiß in Verbindung mit weiteren Belastungsfaktoren.
  • Ein Bandscheibenvorfall macht sich durch starke Rückenschmerzen bemerkbar. Die körperliche Bewegung ist eingeschränkt oder sogar komplett unmöglich.

Rückenschmerzengehören zu den häufigsten Diagnosen, die durch Orthopäden oder Ärzte in Deutschland gestellt werden. Sie beruhen in den meisten Fällen auf dem altersbedingten Verschleiß des Körpers. Dieser wirkt sich nicht nur auf die Muskulatur und die Organe aus, sondern auch auf alle anderen körperlichen Funktionseinheiten.

Ein Bandscheibenvorfall ist medizinisch das Ergebnis aus der Kombination von dauerhafter Belastung und körperlicher Alterung. Er tritt in der Regel unerwartet und plötzlich auf und ist durch große Schmerzen und Bewegungseinschränkungen gekennzeichnet.

Erfahren Sie in diesem Ratgeber, welche Ursachen ein Bandscheibenvorfall haben kann, wie man ihn behandelt und wie man sinnvoll vorbeugt.

1. Das passiert bei einem Bandscheibenvorfall

Hexenschuss:

Die Begriffe Bandscheibenvorfall und Hexenschuss werden im Sprachgebrauch häufig synonym verwendet. Hier bestehen aber deutliche Unterschiede: Während ein Hexenschuss in der Regel auch ohne Behandlung von selbst wieder abheilt, bedarf ein Bandscheibenvorfall immer einer entsprechenden Therapie.

Ein Bandscheibenvorfall ist grundsätzlich immer das Ergebnis einer langen Reihe an Veränderungen und Vorgängen im Rückenbereich, die in den meisten Fällen von den Betroffenen gar nicht wahrgenommen werden. Ein Bandscheibenvorfall durch Unfall oder Verletzung ist faktisch ausgeschlossen und kann als Ursache daher vernachlässigt werden.

Medizinisch wird der Bandscheibenvorfall auch als Prolaps oder als Diskushernie bezeichnet. Der Begriff beschreibt ziemlich anschaulich, was dabei im Körper vor sich geht: Die Hüllen der Bandscheiben, die eigentlich als eine Art Puffer zwischen den einzelnen Wirbeln fungieren, werden rissig. Reißt die Hülle vollständig, tritt das Innere der Bandscheiben, eine gelartige Masse, hervor und drückt auf das umliegende Gewebe und den Spinalkanal.

Einen Bandscheibenvorfall erkennen Betroffene durch die entsprechenden Symptome: Es kommt zu extremen Schmerzen. Diese können so heftig sein, dass sie bis in die Extremitäten ausstrahlen und bei jeder Bewegung deutliche Beschwerden zu spüren sind. Es kann zudem zu Lähmungserscheinungen kommen.

Info: Nicht immer ist ein Bandscheibenvorfall schwerwiegend. Kommt es lediglich zu einer Bandscheibenvorwölbung (d. h. die Bandscheiben wölben sich vor, reißen aber nicht ein), spricht man auch von einem inkompletten Bandscheibenvorfall.

2. Behandlung bei einem Bandscheibenvorfall

arzt mit mrt bildern von einem bandscheibenvorfall vor mrt

Eine genaue Diagnose ist wichtig, um die richtige Form der Therapie zu wählen.

Nach der Diagnose Bandscheibenvorfall ist es wichtig, dass Sie wissen, was zu tun ist. Als erster Schritt empfiehlt es sich, dass Sie einen Arzt hinzuziehen, der durch ein bildgebendes Verfahren (Magnetresonanztherapie bzw. MRT) den Bandscheibenvorfall genau lokalisiert und die passende Therapie bzw. die passende Behandlungsstrategie entwickelt.

Je nachdem, in welcher Region im Rücken die Bandscheiben geschädigt sind, kann der Bandscheibenvorfall die Nerven der folgenden Bereiche betreffen:

  • Halswirbelsäule (kurz: HWS) im Bereich von Hals, Nacken und Schulter
  • Lendenwirbelsäule (kurz: LWS) im Bereich des unteren Rückens
  • Brustwirbelsäule (kurz: BWS) im Bereich der Rippen

2.1. Behandlung durch eine konservative Therapie

Ein Bandscheibenvorfall erfährt häufig durch eine konservative Therapie eine effektive Behandlung. Hier wird begleitend auch eine Schmerztherapie durchgeführt, sodass sich subjektiv rasch eine Besserung der Gesamtsituation einstellt. Im Anschluss an Operationen und andere Therapien entwickelt der Betroffene durch geeignete Reha Maßnahmen wie Gymnastik und Krafttraining wieder körperliche Fitness und Belastbarkeit.

Bei der konservativen Therapie werden entzündungshemmende Wirkstoffe direkt an die Nervenwurzel gespritzt. Die zusätzliche Gabe von Muskelrelaxantien (also Medikamente, die zur Muskelentspannung führen) ergänzt die konservative Therapie und führt in vielen Fällen rasch zu Fortschritten der Genesung.

2.2. Behandlung durch eine Operation

chirurgen und team bei operation im krankenhaus

In schweren Fällen hilft nur eine Bandscheibenoperation.

Die Bandscheibenoperation ist immer dann sinnvoll, wenn die Nerven so stark geschädigt sind, dass dadurch andere Organe oder Körperteile beeinträchtigt werden. Dies kann auch im Bereich der Lendenwirbelsäule passieren: Je nach Schwere kann es zur Inkontinenz kommen. Der Chirurg nimmt durch die Operation den Druck von den Nerven und sorgt für die Beseitigung von bereits entstandenen Schäden.

Auch im Bereich von Brustwirbelsäule und Halswirbelsäule können stark geschädigte Nerven auf andere Regionen ausstrahlen. So können zerstörte Bandscheiben dafür sorgen, dass der Ischiasnerv eingeklemmt. Dies wird Ischialgie genannt und macht sich durch Rückenschmerzen bemerkbar, die in Hüfte und Beine ausstrahlen. Bei der Bandscheibenoperation wird die verletzte Bandscheibe entfernt und gegebenenfalls durch eine künstliche Bandscheibe ersetzt.

Achtung: Behandlungen außerhalb der Schulmedizin können zwar die Schmerzen reduzieren; auf Dauer sind alternative Heilmethoden aber nicht geeignet, um langfristig und effektiv die Gesundheit wiederherzustellen.

3. So kann man aktiv einem Bandscheibenvorfall vorbeugen

vater mit sohn auf der schulter spannen beide rücken an

Ein starker Rücken ist belastbar.

Nach einem Bandscheibenvorfall ist die Wiederherstellung ein langer Weg. Nicht immer ist die Rehabilitation so weit möglich, dass im Anschluss an einen Bandscheibenvorfall alle Anzeichen für die geschädigten Bandscheiben verschwinden. Für viele Betroffene gehören Bandscheibenschmerzen auch nach einer Therapie zum täglichen Leben. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollte der Prävention ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.

Insbesondere, wenn mehrere besondere Risikofaktoren zusammenkommen, ist ein aktives Vorbeugen essentiell für die eigene Rückengesundheit.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen unter anderem:

  • Leistungssport bei Kindern und Jugendlichen (falsche und zu starke Belastung)
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht (zusätzliche Belastung für den gesamten Körper)
  • Haltungsfehler
  • schwere körperliche Arbeit (dauerhaft zu starke Belastung)
  • Bindegewebsschwäche

Allgemein wird angenommen, dass Kraftsportler bzw. Schwerathleten wie Gewichtheber besonders gefährdet sind, wenn es um die Rückengesundheit geht. Dies kann durch die Medizinforschung und Sportwissenschaft eindrucksvoll widerlegt werden. Gerade Kraftsportler verfügen in der Regel über eine enorm gut ausgebildete Rücken- und Bauchmuskulatur und sind daher körperlich belastbarer als Personen, die kein Krafttraining betreiben.

3.1. Vorbeugung durch Sport

Nur, wenn die Rumpfmuskulatur stark ist, ist sie in der Lage, die Wirbelsäule zu entlasten. Häufig ist aber nicht nur die Rückenmuskulatur schwach, sondern zudem auch die Bauchmuskulatur als Gegenspieler und Stabilitätsgarant für den gesamten Oberkörper.

Ein entsprechendes Training kann hier aktive Gegenmaßnahmen einleiten: Stärken Sie sowohl mit Rücken- als auch mit Bauchtraining die Rumpfmuskulatur. Sie verbessern dadurch nicht nur Ihre Fitness, sondern auch die Stabilität in der oberen Körperhälfte. Achten Sie beim Training darauf, die Übungen korrekt auszuführen: Eine falsche Technik kann hier ein zusätzliches Risiko für den Rücken bedeuten.

Geeignete Übungen für die Kombination starker Rücken und starker Bauch sind zum Beispiel:

Rücken Bauch
Klimmzüge Sit ups
Ruderübungen Beinheben
Hyperextensions Planks
Kreuzheben Bodenrollen

3.2 Vorbeugung durch rückenfreundliche Bewegungen

physiotherapeut untersucht patientin

Rückenfreundliche Bewegungen schonen die Bandscheiben.

Wer mit einem gekrümmten Rücken schwere Lasten hebt, der tut den Bandscheiben damit keinen Gefallen. Gleiches gilt für alle anderen Aktivitäten: Ob Heben, Tragen, Bücken – Belastungen des Rückens sind zwar normal, sollten aber so gut es geht reduziert werden.

Wer wissen möchte, wie man rückenfreundliche Bewegungen nutzt und einsetzt, kann diese in einer sogenannten Rückenschule lernen. Spezielle Kurse auch für bereits Betroffene machen den Alltag insgesamt weniger belastend für den Rücken.

4. Training bei einem Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall muss behandelt werden: Schon alleine, um die volle Bewegungsfähigkeit wieder herzustellen, sind zeitnahe Maßnahmen indiziert.

Neben der Behandlung in Form von Medikamenten und möglichen Eingriffen spielt auch der Sport eine wichtige Rolle. Entgegen der landläufigen Meinung und früherer Empfehlungen ist ein Bandscheibenvorfall kein Grund für strenge Bettruhe. Im Gegenteil: Es darf und soll trainiert werden! Oft hilft ein angemessenes Training dabei, die Beschwerden zu lindern und früher wieder zu genesen.

Achtung:

Nicht jede Disziplin ist bei einem Bandscheibenvorfall geeignet! Übungen, die den Rücken zusätzlich belasten, sollten vermieden werden – so zum Beispiel bei Sportarten wie Laufen, Leichtathletik und Ballsportarten. Auch Kampfsport ist eher ungünstig bei einem vorhandenen Bandscheibenvorfall!

 

Als besonders ungünstig hat sich langes Sitzen erwiesen: Im Gegensatz zum aufrechten Stehen wirkt hier fast doppelt so starker Druck auf die Bandscheiben und kann daher – wenn auch subjektiv weniger anstrengend – den Rücken zusätzlich schädigen.

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