Kanufahren – Alles in einem: Krafttraining und Naturerlebnis

Kanu

Zum Kanufahren braucht man Kraft – was jetzt wie ein Allgemeinplatz klingt, wird häufig unterschätzt: Bei jedem Zug muss der Kanute nicht nur sein eigenes Körpergewicht, sondern auch das Gewicht seines Bootes gegen den Wasserwiderstand bewegen.

Nicht umsonst fällt die Sportart Kanufahren – und besonders der Kanurennsport – ja auch in die Kategorie der Kraftausdauersportarten. Und kostenlos zum Training dazu bekommt man frische Luft und ein unvergleichliches Naturspektakel, schwärmt der mehrfache deutsche Kanu-Meister Tobias Huether:

„Das Naturerlebnis beim Kanufahren ist einfach atemberaubend. Man kommt in die entlegensten Gegenden, lernt neue Länder und Menschen kennen.“

Krafttraining – Muskelaufbau – Ausdauer

Beim Kanufahren wirken enorme Kräfte: Schon in Grundlagenausdauereinheiten (à 50 Minuten) werden pro Paddelzug Kräfte zwischen 20 und 30 kg gemessen – wenn man bedenkt, dass man in knapp einer Stunde zwischen 3250 und 3500 Schläge macht, dann ist das schon eine ganze Menge und braucht einiges an Kraft.

In Extremsituationen – etwa beim Start – kann es auch schon mal vorkommen, dass bis zu 70 kg am Paddel wirken und – wenn man Pech hat – das Paddel bricht: wie es zum Beispiel Sebastian Brendel 2011 bei der Kanu-WM in Ungarn passiert ist.

Trainiert werden beim Kanufahren Maximalkraft, Schnellkraft (etwa beim Start) und auch Kraftausdauer – gerade längere Touren brauchen ganz schön viel Ausdauer und Kondition.

Auch seine Muskeln kann man im Kanu sehr gut aufbauen – oft sogar nachhaltiger als im Fitnessstudio. Beim Kanufahren sind vor allem eine starke Arm- und Schulterpartie sowie Rumpf- und Rückenmuskulatur ausschlaggebend: Besonders markant ist der Kanu- Bizeps.

Für einen optimalen Paddelschlag allerdings sollte auch die Arbeit im Beinbereich nicht vernachlässigt werden – eine Bewegungskette, die fast den ganzen Körper mit einbezieht, eignet sich am besten um sich gegen die Fluten durchzusetzen.

Um ein noch besseres Ergebnis zu erzielen, kann man auch ein spezifisch auf Kanusportarten zugeschnittenes Krafttraining betreiben. Verschiedene Techniken erhöhen den Kraftaufwand auf dem Wasser und führen zu noch effizienterem Training. Beliebt sind zum Beispiel längere Paddel oder Paddel mit größerer Blattfläche, um so den Kraftaufwand zu vergrößern.

Am effektivsten ist aber wahrscheinlich die sogenannte „Bremse“: So wird eine Vorrichtung am Kanu bezeichnet, die den Widerstand erhöht und die Gleitphase des Boots stört, sodass man bei jedem Paddelzug die volle Kraft aufbringen muss.

Grenzen austesten

Kanufahren ist aber eben nicht nur reines Training, sondern auch ein Erlebnis – manchmal sogar ein Abenteuer, meint Huether – besonders Expeditionen sind eine sportliche Herausforderung:

„Was da erlebt wird, ist der Wahnsinn – da geht man an die Grenze dessen, was beim Paddeln möglich ist, wo das Risiko nicht mehr kalkulierbar ist.“

Aber Kanufahren ist nicht nur eine sportliche, sondern auch eine mentale Herausforderung:

Man muss Schlüsselstellen einschätzen und bewältigen, was ein hohes Maß an Konzentration verlangt. Aber wenn man es geschafft hat, „dann bringt das Selbstbewusstsein und ein unglaubliches Glücksgefühl.

Und auch die große Vielfalt im Kanusport sorgt immer wieder für Abwechslung: ob Rennen, ob einzeln oder in der Gruppe, ob Canadier oder Kajak oder auch Freestyle und Wildwasser, herausfordernd oder gemütlich – da ist für jeden was dabei.

Optimale Ergänzung zum Krafttraining

Für jeden der was erleben will, oder einfach mal raus will aus dem Fitnessstudio, ist Kanufahren eine optimale Ergänzung zum Kraft- und Konditionstraining. Der Kampf mit den Wellen holt auch ambitionierte Kraftsportler aus jedem Motivationstief und verschafft einen Extra-Energiekick. Und wem die heimischen Gewässer zu ruhig sind, der kann sich ja auf den Weg in den Himalaja, nach Kanada oder zum Nil machen, denn, so Huether:

„Neben dem körperlichen Anspruch ist das Naturerlebnis der Wahnsinn: hohe Wasserfälle und kristallklares, grün-blaues Wasser, in dem es die schönsten Lichtreflexionen gibt.“

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