Klettern ist nicht gleich Klettern: Unterschiede Kletterhalle vs. Felsklettern

Freistilschwimmer und Delphinschwimmer betreiben zwar nominell und in Grundzügen den gleichen Sport, die Anforderungen an sie sind allerdings unterschiedlich und auch ihre Leistungen lassen sich kaum in Beziehung setzen. Nicht viel anders ist es beim Klettern. Das beliebte Indoorklettern an einer Kletterwand lässt sich mit dem Klettern am Fels nur teilweise vergleichen. Hier erfahren Sie, wo die wesentlichen Unterschiede liegen und was Sie beim Klettern in der Natur beachten sollten.

Kletterhalle eignet sich perfekt für den Einstieg

Grundsätzlich ist es für jeden Interessierten sinnvoll, in einer Kletterhalle einen Schnupperkurs für rund 30 bis 50 Euro zu belegen. In der Regel ist die Kletterausrüstung zur Leihe im Preis inbegriffen. Rund 300 Kletterhallen sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt, sodass sich gewiss auch in Ihrem Umkreis eine Halle befindet, in der Sie Ihr Talent und Ihren Mut witterungsunabhängig und kostengünstig auf die Probe stellen können. Der große Vorteil: In den Hallen finden Sie gewissermaßen „Laborbedingungen“ vor. Sehr leichte, einfache, mittelschwere und anspruchsvolle Routen liegen oft nur wenige Meter voneinander entfernt.

Wer beim Schnuppern Feuer gefangen hat, sollte in einem Grundkurs erste profunde Kenntnisse aufbauen. Hier erfahren Sie alles Wichtige zur Klettertechnik, zum Absichern und zum Ablassen. Derartige Kletterkurse werden häufig tagesfüllend an einem Samstag oder Sonntag angeboten. Der Kostenpunkt liegt je nach Anbieter bei 100 bis 200 Euro. Bedenken Sie jedoch, dass hier die Kletterausrüstung oft nicht mehr im Preis inbegriffen ist. Die Leihgebühren fallen oft sehr hoch aus, sodass sich die Investition in eine Basisausrüstung (Klettergurt, Sicherungsgerät, HMS-Karabiner, Kletterschuhe, Magnesia-Beutel) für 200 bis 300 Euro relativ schnell amortisiert.

Unterschiede zwischen Kletterhalle und Fels

Klettern lernen kann man natürlich auch am Naturfels, nur sind hier die Anforderungen etwas höher. Es beginnt bereits damit, dass die Anfahrt sehr viel aufwändiger ist, weil viele Kletterreviere nur schlecht angebunden sind und von den nächstgelegenen Parkplätzen aus teilweise noch einige Kilometer zu Fuß bewältigt werden müssen. Das führt dazu, dass Sie auch organisatorisch ein paar Dinge bedenken müssen: Zusätzlich zur Ausrüstung sollten Sie Proviant sowie ein Wechselshirt immer dabei haben.

Die eigentliche Schwierigkeit stellt aber der Naturfels da. Während die Wände in Kletterhallen top gepflegt sind und beispielsweise durch das Setzen der Griffe und Tritte dem Kletterer auch bei höheren Schwierigkeitsgraden tendenziell immer entgegenkommen, sind Naturfelsen selbst bei scheinbar gleicher Schwierigkeit immer etwas anspruchsvoller.

Wer normalerweise nur drinnen klettert, sollte am Naturfels mindestens einen Grad unter seiner Leistungsgrenze beginnen. Das hängt mit den Widrigkeiten der Natur zusammen: So können Felsstücke beim Greifen oder Treten brechen. Manchmal sind sie rau und fördern so Verletzungen, manchmal sind die abgewetzt und speckig und geben somit kaum Halt. Auch Sonnenschein oder Feuchtigkeit beeinflussen die Eigenschaften des Naturfelsens.

Felsklettern birgt mehr Risiken

Auch in Sicherheitsfragen unterscheiden sich Halle und Naturfels deutlich. So haben Sie in der Halle gefühlt nach jedem Griff oder Tritt die Möglichkeit, sich einzuclippen. In der Natur sind selbst auf offiziellen Kletterrouten die Haken oft meterweit voneinander entfernt. So kann der erste Haken bereits so hoch liegen, dass Sie sich ehrlich fragen müssen, ob Sie in der Verfassung sind, diesen überhaupt zu erreichen.

Unter diesem Gesichtspunkt spielt auch die vorausschauende Routenplanung auf dem Weg nach oben eine große Rolle. In der Halle kann man oft die direkte Route nehmen, in der Natur gibt der Fels die „Ideallinie“ vor. Und die kann schon einmal ein paar Umwege beinhalten.

Notwendig werdende Diagonalgänge beeinflussen auch das Absichern. Läuft das Seil üblicherweise von hinten nach vorne durch den Karabiner, müssen Sie bei seitlich verlaufenden Touren immer entgegen der Kletterrichtung einclippen. Eine grundlegende Einführung in die Sicherung beim Klettern erhalten Sie im Verlauf der Serie im Artikel „Richtig sichern: Sicherungsgeräte, Knoten & Co.

Klettern ist nicht gleich Klettern: Unterschiede Kletterhalle vs. Felsklettern
2 (40%) 4 votes

1 Comment

  1. Tanja

    23. Januar 2017 at 01:55

    Outdoorklettern sollte man definitiv nicht auf die leichte Schulter nehmen. Was würdest du sagen, wie viel Erfahrung man in der Halle gesammelt haben sollte, bis man sich auf Naturfelsen wagen kann?

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.