Verletzungsgefahr beim CrossFit: Wie gefährlich ist es?

verletzung-sport

CrossFit gilt als „das härteste Training der Welt“ und zeichnet sich durch seine hohe Intensität und Effektivität aus. Stammend aus den USA, findet CrossFit auch hierzulande immer mehr Anhänger, die von der Trainingsmethode, sowie dem allgemeinen Lifestyle, begeistert sind.

CrossFit ist jedoch ein Konzept was polarisiert. Entgegen dem Hype um die enormen sportlichen Verbesserungen und der tollen Community, warnen Sportwissenschaftler und Experten zunehmend vor gesundheitlichen Konsequenzen. Sind solche Bedenken berechtigt und ernst zu nehmen, oder handelt es sich bloß um eine Hetzkampagne?

Es wird mit diversen Studien argumentiert, die belegen sollen, dass die Verletzungsgefahr beim CrossFit überdurchschnittlich hoch sei. Experten sprechen über irreversible Gelenkschäden sowie Muskelverletzungen und allgemeine Überstrapazen des menschlichen Körpers.

Es wird bemängelt, dass die Sportart Athleten dazu bringe, sich bis zur absoluten Erschöpfung zu pushen, und dabei die Warnsignale ihres Körpers zu ignorieren. Außerdem wird kritisiert, dass es im CrossFit darum ginge, möglichst schnell so viele Wiederholungen wie möglich zu absolvieren und die korrekte technische Ausführung dabei zu vernachlässigen.

 

Doch ist CrossFit tatsächlich so viel gefährlicher als andere Sportarten?

Natürlich ist es nicht zu verleugnen dass Verletzungen im CrossFit – wie es nahezu bei jeder Wettkampfsportart der Fall ist – keine Seltenheit sind. Jeder der sich auf ein hohes Leistungsniveau begibt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass ein Verletzungsrisiko nicht auszuschließen ist.

Des Weiteren ist auch offensichtlich, dass eine Trainingsmethode dieser Art ein erhöhtes Risiko verglichen mit Sportarten wie beispielsweise Schwimmen oder Joggen birgt. CrossFit setzt sich aus den Disziplinen Leichtathletik, Gewichtheben und Turnen zusammen, und beinhaltet teilweise Komplexe Bewegungsabläufe, welche sorgfältig erlernt werden müssen.

Sofern die Anweisungen des Trainers befolgt werden, und man auf seinen Körper hört, ist das Verletzungsrisiko daher nicht höher als bei den Einzelsportarten Gewichtheben, Leichtathletik oder Turnen. Vollkontakt Sportarten wie Rugby oder Football stehen außerdem was Verletzungen betrifft, weiterhin oben in der Liste.

 

Was genau führt zu einer erhöhten Verletzungsquote?

Auch wenn CrossFit sehr viele Vorteile bietet, sollten die negativen Aspekte nicht außer Acht gelassen werden. Jedoch ist die Höhe eines Verletzungsrisikos hauptsächlich von jedem selbst abhängig.

Oft führt zu starker Ehrgeiz und schlechte Technik zu Übertraining und Gelenkschäden. Besonders bei komplexen Übungen ist es wichtig, dass die Trainer Wert darauf legen, die korrekte Technik der Übungen zu vermitteln. Erst wenn diese beherrscht wird, sollte die Intensität in den Workouts gesteigert werden. Daher ist ein ausreichender Besuch der Anfänger Kurse essentiell um eine gute Basis zu schaffen.

Ein großes Manko beim CrossFit ist jedoch die Ausbildung eines CrossFit Trainers. Jeder kann innerhalb eines 2-tägigen Kurses einen Trainerschein erlangen und sich als CrossFit Trainer betiteln. Das bedeutet jedoch leider oft nicht, dass der Trainer dann auch in der Lage ist seine Athleten angemessen zu betreuen. Unachtsamkeit und Halbwissen einiger Trainer in der CrossFit Szene sind daher ein nicht unerheblicher Faktor für vermehrte Verletzungen. Aufgrund dessen, ist es sehr wichtig sich ausgiebig über die Qualifikation und Eignung der Trainer zu informieren, bevor man sich entscheidet sich in einer CrossFit Box anzumelden.

Neben schlechter technischer Ausführung der Übungen, führt auch oft ein übertriebener Ehrgeiz zu Verletzungen. CrossFit ist bekannt für sein hohes Suchtpotenzial, und besonders Neulinge trainieren am Anfang oftmals zu häufig. Der Körper muss Schritt für Schritt an die intensive Belastung und die ungewohnten Bewegungsabläufe gewöhnt werden. Viele Athleten ignorieren die Empfehlungen des Trainers und überschätzen ihre Fähigkeiten. Oft kommt die Einsicht erst dann, wenn die erste Verletzung schon aufgetreten ist.

Ein weiterer Punkt der oft vernachlässigt wird, sind Mobilitätsübungen. Reguläre CrossFit Kurse bieten oft keine Übungen dieser Art, und jeder Athlet ist dafür verantwortlich sich nach dem Training selbstständig um die Mobilisierung bestimmter Muskelgruppen zu kümmern.

Auch wenn die meisten Boxen gesonderte Kurse anbieten, wo solche Übungen erlernt werden können, ist das Interesse an Mobility Kursen bei vielen Athleten eher gering. Es kommt zu Muskelverkürzungen und Verhärtungen, was das Verletzungsrisiko erheblich erhöht.

 

Wie kann man sein Verletzungsrisiko mindern?

Wer ein paar Regeln befolgt, kann sein Verletzungsrisiko mindern, und CrossFit bedenkenlos ausführen. Wichtig ist immer, dass man sich selbst gegenüber Verantwortung übernimmt, und auf seinen Körper hört. Hier die wichtigsten Regeln:

  • Korrekte Technik

    Es sollte sich genug Zeit genommen werden die Anfänger Kurse zu besuchen. Besonders die Elemente aus dem Gewichtheben erfordern viel Zeit und Geduld. Erst wenn diese korrekt beherrscht werden, dienen sie als Basis für effektive Workouts. Wenn die Technik ausreichend beherrscht wird, zählt weiterhin: Technik vor Gewicht! Es muss ein Gewicht gewählt werden, was einem ermöglicht, die Technik auch bei hoher Wiederholungszahl konstant aufrecht zu erhalten.

  • Anweisungen des Trainers

    Im Regelfall hat der Training Ahnung von dem was er da tut- wenn Dieser empfiehlt eine bestimmte Übung runter zu skalieren, weniger Gewicht zu nehmen oder mal einen Rest-Day einzulegen, wird das seine Gründe haben und sollte unbedingt befolgt werden.

  • Kein falscher Ehrgeiz

    Auch wenn man am Anfang am liebsten 7 Tage die Woche trainieren möchte, sollte die Trainingsfrequenz langsam gesteigert werden. Gelenke und Muskeln brauchen Zeit um sich an die Belastung zu gewöhnen, daher sollte in den ersten Wochen maximal 3-4 Mal die Woche trainiert werden. Des Weiteren sind die vorgeschriebenen Gewichte eines WODS meist für fortgeschrittene Athleten ausgelegt. Jeder ist auch selbst dafür verantwortlich, einzuschätzen wenn ein Gewicht zu schwer ist und runter skaliert werden sollte. Ein zu großes Ego ist da fehl am Platz. Außerdem ist es auch hier wieder wichtig auf die Zeichen seines Körpers zu hören. Es ist kein Beinbruch mal ein Workout abzubrechen, oder eine Pause einzulegen wenn man nicht mehr kann- es geht beim CrossFit hauptsächlich um Spaß, und keine Sportart ist es wert seine Gesundheit zu gefährden.

  • Pausen

    Bei einem hoch intensiven Training wie beim CrossFit, ist es wichtig seinem Körper die Zeit zu geben sich ausreichend zu regenerieren. Weniger ist oft mehr- es hat keinen Mehrwert sich nach dem dritten Trainingstag mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit auch noch durch das vierte Workout zu quälen. Das sind oft die Situationen, wo sich aufgrund von Ermüdung und fehlender Konzentration das Verletzungsrisiko steigert. Es sollte sich an einer Faustregel orientiert werden, die besagt dass nach 3 Trainingseinheiten 1 Tag Pause folgen sollte. Rest Days bedeuten nicht zwingend sich auf die Couch zu legen und den ganzen Tag nicht zu bewegen. Wer genug Energie hat und sich noch fit fühlt, kann auf aktive Regenerationseinheiten, wie zum Beispiel Schwimmen, Fahrrad fahren oder Joggen ausweichen.

  • Mobilisierung

    Wer regelmäßig seine Muskeln strapaziert, muss darauf achten, dass eine ausreichende Mobilisierung der Muskulatur gewährleistet wird. Wenn wiederholt mit verhärteter und verkürzter Muskulatur trainiert wird, sind Verletzungen vorprogrammiert. Da in einem regulären WOD Kurs oft keine Zeit ist eine Mobility Einheit einzuplanen, ist es wichtig die Übungen nach dem Training und an Rest Days selbstständig auszuführen. Meistens bieten Boxen 1-2 Mobility Kurse pro Woche an, es ist jedoch empfehlenswert sich nach jeder Trainingseinheit 15 Minuten Zeit zu nehmen. Es gibt mittlerweile auch online Programme, die Mobilitätsübungen für Zuhause vorstellen.

  • Schlaf und Ernährung

    Wer hoch intensiv trainiert, sollte auch seinen Lifestyle demensprechend anpassen. Es ist empfohlen möglichst 8 Stunden Schlaf einzuhalten, und sich artgerecht und gesund zu ernähren. Das bedeutet nicht, dass man sich als CrossFit Athlet strikt nach Paleo oder Zone ernähren muss, jedoch sollte darauf geachtet werden dass der Körper mit ausreichenden Nährstoffen versorgt wird, die die Regenration begünstigen. Auf regelmäßigen Alkoholkonsum sollte nach intensiven Trainingseinheiten unbedingt verzichtet werden.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass CrossFit sehr viele Möglichkeiten bietet seine Gesundheit und Fitness zu verbessern, ohne dass der Spaß dabei zu kurz kommt. Es ist darauf ausgelegt, die natürlichen und funktionalen Bewegungen des menschlichen Körpers zu schulen, und trägt außerdem zu einer erheblichen Verbesserung des Herz-Kreislaufsystems bei. Auch wenn ein gewisses Restrisiko zurück bleibt -welches bei jeder Sportart vorhanden ist- kann CrossFit bedenkenlos ausgeübt werden, solange die erwähnten Regeln befolgt werden.


Bildnachweis: Thinkstock / ©max-kegfire / iStock


Verletzungsgefahr beim CrossFit: Wie gefährlich ist es? 5.00/5 (100.00%) 1 vote

Eingehende Suchanfragen:

crossfit gefahren,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>